Als mich mein Handgelenk plötzlich nicht mehr ablenkte

Oft muss ich einen Schritt zurücktreten um zu merken, was eigentlich los ist. Als ich Ende Juli meine Apple Watch abgelegt habe, war wieder mal so ein Moment. Ohne es bewusst wahrzunehmen, hatte ich mir vor 5 Jahren die größte Ablenkung mit guten Absichten ans Handgelenk gelegt.

Eigentlich war auch alles schön. Ich habe meine Fitness im Auge gehabt, wusste wie lang & gut mein Schlaf war und habe wichtige Benachrichtigungen gesehen, ohne das Handy in die Hand nehmen zu müssen.

Anfangs noch als einfacher Fitness-Tracker und angefixt davon auch später viele Apple Watch Modelle. Hier wurden die Funktionen und Bedienung immer vielfältiger und ich konnte mir überhaupt nicht mehr vorstellen, ohne diese Uhr zu leben.

Erste Risse bekam diese schöne Fassade aber spätestens, als mich eine Freundin unterwegs fragte:

Wieso hast du eigentlich diese Uhr, wenn du sonst so gerne analog unterwegs bist?

Natürlich konnte ich direkt und selbstbewusst darauf antworten. Damit ich nämlich das Handy in der Tasche lassen kann und trotzdem alles Wichtige mitbekomme. So richtig ist mir der Gedanke aber nicht aus dem Kopf gegangen. Und spätestens seitdem ich mich wieder mehr mit konzentriertem Arbeiten befasse, wurde das Thema wieder aktuell. Zuerst habe ich noch versucht, die Benachrichtigungen der Uhr zu minimieren, was mir nicht wirklich gelungen ist. Zu verlockend war die reine Möglichkeit, nachzuschauen.

Also habe ich die Uhr abgemacht und seit über 2 Wochen auch nicht mehr getragen - um ehrlich zu sein ist sie bereits verkauft ;)

Bild einer Armbanduhr
Meine ruhige neue Begleiterin: die Casio ABL-100WE

Seitdem habe ich eine Retro-Armbanduhr am Handgelenk. Die einzige Nicht-Uhr-Funktion ist Bluetooth, weil mit Bluetooth alles besser ist und die Uhrzeit aktuell bleibt.

Der Wechsel hat mich positiv überrascht. Hier eine Notiz, nachdem ich die Uhr abgemacht hatte:

Der Tag ohne Watch ging gut und ich habe mich deutlich weniger abgelenkt gefühlt. Die Watch reißt mich eher raus, als das Handy.

Seitdem fühle ich mich deutlich präsenter, wenn ich unterwegs bin. Nicht mehr ständig das Gefühl, dass gleich etwas "passiert" und mich rausreißt. Auch kann ich konzentrierter und ohne Ablenkungen an Themen arbeiten.

Alle gesammelten Fitness-Daten habe ich gelöscht. Ich weiß, dass ich mehr machen könnte.
Wenn ich schlecht schlafe, merke ich es selbst.
Was wichtig ist, entscheide ich selbst.

Ich kann den Schritt nur empfehlen und werde in Zukunft eher darauf achten, ob die verlockende Technik eher Ablenkung oder Erleuchtung bringt.

PS: Auch wenn die neue Uhr kein Touchscreen hat, habe ich mich schon ein paar Mal dabei erwischt, die gelernten Gesten anwenden zu wollen.

Hallo, ich bin Robert ✌🏼

Digitaler Rebell und Experte für menschliche Arbeitswelten.
Seit 20 Jahren gestalte ich digitale Innovationen mit Blick auf das, was zählt: den Menschen.

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