Das hier soll keine Moralkeule werden. Auch ich habe bereits ChatGPT und andere Modelle zur Erstellung von Texten und Bildern genutzt. So wie wahrscheinlich alle Internetnutzer in 2025.
Die ständige Nutzung baut aber nach und nach eine "kognitive Schuld" auf.
Eine Studie, die eine Warnung sein sollte
In der im Juni 2025 veröffentlichten Studie "Your Brain on ChatGPT" (MIT) wurden 54 Teilnehmer in drei Gruppen eingeteilt: (1) Nutzung von LLMs, (2) Nutzung von Suchmaschinen und (3) keine technischen Hilfsmittel.
Nach dem Schreibtest zeigte die Gruppe mit LLMs einen Rückgang der neuronalen Aktivität um 47 %. Außerdem konnten nur 17 % ihre Ideen in den eigenen Texten wiedergeben, während die Texte als „langweilig“ bewertet wurden. Die Teilnehmer selbst hatten sich dabei deutlich besser eingeschätzt.
Das alarmierende dabei: Diese Effekte blieben auch nach vier Monaten noch sichtbar. Ein Hinweis darauf, dass das kreative Denken nachhaltig beeinträchtigt werden kann.
Denken muss kontinuierlich trainiert werden
Wie ein Muskel, der nicht mehr trainiert wird, kann also auch unser Gehirn das Denken verlernen.
Wir müssen uns regelmäßig bewegen und für sportliche Leistungen einen Trainingsplan erstellen. Niemand würde einen Marathon ohne Vorbereitung laufen wollen.
Wenn wir also immer mehr darauf hoffen, dass uns ein LLM innovative Konzepte schreibt oder lange Texte mundgerecht zusammenfasst, werden wir es nicht mehr ohne diese können. Den Marathon aus dem Stand würden wir nach wenigen Kilometern abbrechen.
Denken ist unser USP
Wenn uns als Menschheit eine Eigenschaft einzigartig macht, ist es das komplexe Denken.
Dieser wirre, langwierige und oft verzweifelnde Prozess kann aber nicht durch einen kurzen Prompt ersetzt werden. Im ersten Moment mag es einfacher sein, ein LLM zu fragen als eine leere Seite anzuschauen. Um nicht in der Beiläufigkeit zu verschwinden, müssen wir genau diesen Schmerz aushalten lernen. Regelmäßiges Trainieren schärft dabei unseren Geist wie es die Muskel stärker werden lässt.
Ich möchte daher ermutigen, nicht jede Kleinigkeit auszulagern sondern das Denken weiterhin regelmäßig zu trainieren. Schreib etwas ohne technische Hilfsmittel, nutze die Leere und lass es ein paar Tage ruhen.
Lass deine eigenen Ideen real werden und nicht die Wahrscheinlichkeiten anderer Texte.